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„TARANTELLA“: GESCHICHTE

Der Name „Tarantella“ erscheint erstmals im 17. Jahrhundert in Apulien als Bezeichnung für einen therapeutischen Tanz. Viele Ärzte und Reisende interessierten sich und interessieren sich heute wieder für dieses besondere Phänomen.

Als Tanz des Vergnügens und der Liebe wird die Tarantella dann in mehreren literarischen Dokumenten in Neapel erwähnt und beschrieben.

Die Tarantella wurde damals zum wichtigsten Tanz von Neapel - der damals bedeutendsten europäischen Stadt nach Paris - und seines Reiches, also des ganzen Südens von Italien.

Regionale Unterschiede

Es handelt sich dabei nicht um eine homogene und kompakte Tanzform, sondern um eine ganze Familie von regional unterschiedlichen Tänzen, die charakteristische Gemeinsamkeiten aufweisen.

Dazu gehören die verschiedenen Tammuriate („Tanz auf der Trommel“), die irpinische Tarantella, die Tarantella des Gargano, die Pizzica des Salento, die Villanedda aus Kalabrien sowie die sizilianischen Tarantelle und Quadriglie

Die Tarantella ist kein ethnischer Tanz, sie weist also keine morphologische oder geographische Homogenität auf. Sie ist vielmehr eine große Familie unterschiedlicher Tänze, die charakteristische Gemeinsamkeiten haben.


Im folgenden wird die wichtigste Art der Tarantella des Salento beschrieben:

Die PIZZICA SALENTINA umfasst die Pizzica-Taranta, die Pizzica de core und die Pizzica scherma.

Die PIZZICA-TARANTA ist der eigentliche Heiltanz, mit dessen Hilfe die so genannten Tarantati mit sehr schnellen, manchmal auch langsamen Rhythmen von ihrem Tarantismus geheilt wurden.

Die Tarantati, d.h. die von der Spinne Tararantel gebissen, mussten dazu tagelang, oft wochenlang tanzen. Dabei wurden sie von den Anwesenden mit bestimmten Gegenständen umgeben wie Schwertern, Tücher, Bänder, Spiegeln, Fächer und Wasserschüsseln, die an den Charakter und die Farbe der Tarantel erinnern sollten.

Der Überlieferung nach musste man solange tanzen, bis diejenige Tarantel gestorben war, von der man gebissen wurde.

Danach wurde man durch den Rhythmus der Tarantella – und kraft der Gnade von San Paolo von Galatinas - geheilt.

Die PIZZICA DE CORE wird bei Volksfesten, Hochzeiten und anderen Familienfeiern getanzt. Sie ist ein Paartanz mit schnellem Rhythmus und drückt Freude, Liebe und Leidenschaft aus.

Der Mann springt im Kreis um die Frau herum, die stolz bleibt und dabei ein Tuch als Symbol sowohl von Distanz und als auch von Kommunikation benutzt.

Die PIZZICA SCHERMA (Tanz der Messer) ist der Tanz für das San Rocco Fest in Torrepaduli: ein typischer Herausforderungstanz zwischen jeweils zwei Männern, begleitet von unermüdlichen Tamburellospielern.

Ursprünglich wurden Messer benutzt, die heute mit zwei gestreckten Fingern angedeutet werden.

Das Fest zu San Rocco war die wichtigste Gelegenheit im Jahr für Bauern, Handwerker und Hirten, ihre Waren, Tiere und sogar ihr Land zu tauschen.

Zum schnellen Rhythmus der Tarantella-Pizzica versuchte man mit möglichst eleganten und gelenkigen Bewegungen mit den Fingern die Brust des Gegners zu treffen, um so symbolische die Vorherrschaft über ihn zu gewinnen.

Die Wiederentdeckung der Tarantella

In den 60er Jahren war die traditionelle Musik durch die Besatzung schon fast vollständig verdrängt.

Bis Roberto de Simone in den 70er Jahren mit der Oper „La Gatta Cenerentola“ aus dem Band von Erzählungen „Lu cunto del li cunti“ von Giabbattista Basile aus dem Jahre 1600 in neapolitanischem Dialekt das musikalische Erbe der Tarantella wieder entdeckte.

Er erforschte die Gesänge, Tänze und Instrumente, führte sie auf und erweckte sie damit zu neuem Leben.

Die Oper war in der ganzen Welt auf Tournee und ein großer Erfolg.

SALENTO.it di Marco Carra - MARTANO LECCE
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